online campers, 2021

online begehbar bis Februar 2025
eine Kollaboration von Melissa Ghazale und Mirjam Elburn, 3D-Animation und Rendering: Wassim El Agha, Ausstellungstext: Ines Rüttinger

online accessible until Feburary 2025
a collaboration of Melissa Ghazale and Mirjam Elburn, 3D-animation and rendering: Wassim El Agha, Exhibition text: Ines Rüttinger

In der Arbeit von Ghazale und Elburn kann man in die Zelte hineintreten bzw. hineinkrabbeln, also den Zeltraum innerhalb des Galerieraums betreten, der sich wiederum im undefinierten digitalen Raum befindet – als würde man sich immer tiefer darin verlieren. Der zuvor öffentliche Raum wird intim. Das Hineingehen muss im digitalen Zelt extra angelegt werden; im Gegensatz zu anderen simulierten Welten, wie etwa Videospielen, ist es aber nicht an einen Zweck oder eine Aufgabe geknüpft. Es geht um den Selbstzweck des Zeltes an sich und um die individuelle Erfahrung. Der Gedanke eines freien und demokratischen Zugangs gilt nicht nur innerhalb des virtuellen Raumes, sondern ist in einer Art Rückwärtsschleife auch wieder in den realen Stadtraum hinein gerichtet: QR-Codes mit dem Zugangslink werden als Aufkleber an den unterschiedlichsten Orten und Stellen verteilt. So wie die Hütten, Schuppen und Zelte im Stadtraum urplötzlich auftauchen können, so manifestiert sich darin nun auch der digitale Raum. Während sich das digitale Leben in den sozialen Medien immer mehr den privaten Bereich durchdringt und öffentlich macht, drehen Melissa Ghazale und Mirjam Elburn den Spieß um: Sie nutzen Bausteine des öffentlichen Raumes und den für alle offenen Zugang des Internets, um eine privat zu erlebende Installation zu erschaffen. Wir alle werden zu „Online Campers“ in der Cloud. Die ehemals temporären Bauten werden zu verstetigten Erfahrungswelten, die uns die vermeintlich festen Gefüge unserer Umwelt – und in Erweiterung: unserer Gesellschaft – überdenken lassen und damit unsere gegenwärtigen Hierarchisierungen und Kategorisierungen hinterfragen. (Text/Auszug: Ines Rüttinger)

In Ghazale and Elburn's work, one can step or crawl into the tents, thus entering the tent space within the gallery space, which in turn is situated in an undefined digital space—as if one were becoming increasingly lost within it. The previously public space becomes intimate. Entering the digital tent requires a deliberate process; unlike other simulated worlds, such as video games, it is not tied to a specific purpose or task. It is about the tent's intrinsic value and the individual experience. The idea of ​​free and democratic access applies not only within the virtual space but, in a kind of reverse loop, also extends back into the real urban space: QR codes containing the access link are distributed as stickers in a wide variety of locations. Just as the huts, sheds, and tents can suddenly appear in the urban space, so too does the digital space now manifest itself within it. As digital life on social media increasingly encroaches on the private sphere and makes it public, Melissa Ghazale and Mirjam Elburn turn the tables: They use building blocks of public space and the internet's open access to create a privately experienced installation. We all become "online campers" in the cloud. The formerly temporary structures become permanent experiential worlds that make us reconsider the supposedly fixed structures of our environment—and, by extension, our society—thus questioning our current hierarchies and categorizations.

Textauszüge | Text excerpt: Ines Rüttinger
Images & Film: Mirjam Elburn, Melissa Ghazale

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