portrait (MAR_ contenador de basura _1411202513122025), 2025/26

Installation: Fotografie auf Polycarbonat-Platten, 1,5 mm und 10 mm (mit Sockel aus Montageschienen, verschiedene Größen), * Korb 1, 6, 16, 24, 31, 67, 68, 69
und
portrait (MAR_ contenador de basura 1411202513122025), 2025/26,
Plakate, 4lagig zum Blättern, Digitaldruck auf Affichen-Papier, an Aluleiste/Klammern, 118,8×84 cm

Installation: Photography on polycarbonate panels, 1.5 mm and 10 mm thick, with mounting rails, various sizes
*basket
1, 6, 16, 24, 31, 67, 68, 69
and
portrait (MAR_ contenador de basura 1411202513122025), 2025/26,
Posters, 4-sheet flip-style, digital print on billboard paper, mounted on an aluminum rail with clamps, 118,8×84 cm

Bei meinen täglichen, mehrstündigen Rundgängen durch die argentinische Stadt Mar del Plata begegnete mir Müll auf eine besondere Weise. Immer wieder fielen mir die unterschiedlichen, individuell gestalteten Müllkörbe – die „contenedores de basura“ – auf. Sie wurden für mich zu Ausgangspunkten einer fotografischen Beobachtung und zu einem eigenen Archiv urbaner Alltagskultur.
Ich begann, diese Behälter zu fotografieren und ihre unterschiedlichen Formen, Materialien und Konstruktionen zu sammeln. Dabei rückte zunehmend nicht nur der Mülleimer selbst in den Mittelpunkt, sondern auch das, was er sichtbar macht: den Umgang einer Stadt mit Abfall, mit Ordnung und Unordnung, mit Wegwerfen und Sammeln. Der Müllkorb markiert eine Schnittstelle zwischen privatem Konsum und öffentlichem Raum. Er nimmt auf, was nicht mehr gebraucht wird, und wird gleichzeitig selbst zu einem sichtbaren Bestandteil des Stadtbildes.
Jeder dieser „contenedores de basura“ besitzt eine eigene Form, eine eigene Konstruktion und beinahe eine eigene kleine Geschichte, die sich aus seiner Machart, seinem Zustand und seinem Gebrauch erschließen lässt. Manche wirken improvisiert und aus vorhandenen Materialien zusammengesetzt, andere erscheinen wie kleine architektonische Konstruktionen oder Skulpturen des Alltags. In ihrer Umgebung sind sie selbstverständlich und fast unscheinbar. Gerade diese Selbstverständlichkeit macht sie für mich interessant.
Für mich, die ich farblich und formal genormte, industriell gefertigte und gelieferte Mülltonnen gewohnt bin, eröffnen diese individuellen Behälter einen anderen Blick auf das Thema Müll. Aus einem Gegenstand, der normalerweise möglichst unsichtbar bleiben soll, wird ein sichtbarer Teil des urbanen Lebens. Die Fotografien erzählen deshalb nicht nur von Mülleimern, sondern von einer Stadt, ihrem Umgang mit Abfall und den Spuren, die menschliches Handeln im öffentlichen Raum hinterlässt.
So werden die scheinbar banalen Gegenstände zu stillen Zeugen des städtischen Lebens – und zu unerwarteten Formen einer alltäglichen, improvisierten Gestaltung.

During my daily walks—lasting several hours—through the Argentine city of Mar del Plata, I encountered trash in a unique way. Time and again, I was struck by the diverse, individually designed trash receptacles—the contenedores de basura. They became the starting point for a photographic study and a personal archive of urban everyday culture.
I began photographing these containers and documenting their varied shapes, materials, and structures. In doing so, the focus shifted increasingly from the bin itself to what it reveals: a city’s approach to waste, order and disorder, discarding and collecting. The trash receptacle marks an intersection between private consumption and public space; it receives what is no longer needed while simultaneously becoming a visible part of the cityscape.
Each of these contenedores de basura possesses a unique form, construction, and—almost—a story of its own, discernible through its design, condition, and usage. Some appear improvised, assembled from readily available materials, while others resemble miniature architectural structures or sculptures of everyday life. Within their surroundings, they seem natural and almost inconspicuous—yet it is precisely this ordinariness that makes them so compelling to me.
Coming from a background where standardized, industrially manufactured trash bins are the norm, I found that these unique containers offered a fresh perspective on the subject of waste. An object usually intended to remain as invisible as possible is transformed into a visible element of urban life. Consequently, the photographs tell a story not just of trash bins, but of a city, its handling of waste, and the traces left by human activity in public space.
Thus, these seemingly mundane objects become silent witnesses to urban life—and unexpected examples of everyday, improvised design.

Text: Mirjam Elburn
Images: Hannes Woidich

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