strömen (fließende räume), 2026

strömen (fließende räume) 1, 2026
4-lagige Zeichnung (Aquarellstift, Bleistift) auf Butterbrotpapier, Eiche-Leisten, ca. 120x38 cm
und
strömen (fließende räume) 2, 2026
5-lagige Zeichnung (Aquarellstift, Bleistift, Tuschestift), ca. 60x44 cm

strömen (flowing spaces) 1, 2026
4-layer drawing (watercolor pencil, graphite pencil) on wax paper, oak strips, approx. 120x38 cm
and
strömen (flowing spaces) 2, 2026

5-layer drawing (watercolor pencil, graphite pencil, ink pen), approx. 60x44 cm

Ich beschäftigte mich mit den Wasseroberflächen des Fluss Peene, der, umgeben von Niedermooren und Altgewässern, eine sehr geringe Fließgeschwindigkeit hat. In der Zeichnung halte ich in Aufsicht Wasserpflanzen (Hornkraut, Wasserpest und ähriges Tausendblatt) knapp unterhalb der Oberfläche fest. In mehreren Schichten auf Transparent- oder Butterbrotpapier scheinen die gezeichneten Pflanzen von unten durch – verstärkt wird der Eindruck durch Cut-outs.
Dadurch wird die Orientierung im Bildraum unsicher. Durch den Verzicht auf eine eindeutige Darstellung des Ufers wird der landschaftliche Zusammenhang aufgelöst. Der Raum verliert seine gewohnten Begrenzungen und wird für die Betrachtenden schwer greifbar, während Wasserpflanzen aus der Tiefe auftauchen oder knapp unterhalb der Oberfläche treiben. Aber nicht nur die Pflanzen tauchen auf, sondern auch in Form eines vereinfachten Ornamentes einer Kittelschürze – eine rosa Blume – die Erinnerung an die eigene Großmutter. Denn das Gehirn nutzt die „leere“, dunkle Fläche unter Wasser als Projektionsfläche. Es holt Erinnerungen hoch und spiegelt uns oft unsere eigenen unbewussten Ängste, Sorgen oder unverarbeiteten Erlebnisse der Vergangenheit.
Diese Form der Wahrnehmung lässt sich mit dem von Rachel und Stephen Kaplan geprägten Begriff der „Soft Fascination“ verbinden. Gemeint ist eine Form der Aufmerksamkeit, die von bestimmten natürlichen Phänomenen angezogen wird, ohne die Betrachtenden vollständig zu vereinnahmen. Wasser bietet hierfür ein besonders geeignetes Untersuchungsfeld: Seine kontinuierliche, zugleich aber schwer greifbare Bewegung bindet den Blick, ermöglicht ein längeres Verweilen und eröffnet einen Zustand zwischen Konzentration und Abschweifen.

I focused on the water surfaces of the River Peene, which—surrounded by fens and oxbow lakes—flows at a very slow pace. In my drawing, I capture aquatic plants just below the surface, viewed from above. Arranged in multiple layers on tracing or wax paper, the plants appear to show through from beneath—an impression heightened using cut-outs. This renders orientation within the pictorial space uncertain. By omitting a clear depiction of the riverbank, the landscape context is dissolved; the space loses its familiar boundaries and becomes elusive to the viewer, while aquatic plants emerge from the depths or drift just beneath the surface. Yet it is not only plants that emerge; the memory of my own grandmother also surfaces—manifesting as the simplified floral pattern (a pink flower) from a housecoat. For the brain uses the "empty," dark expanse beneath the water as a projection surface. It summons memories and often reflects our own unconscious fears, worries, or unresolved past experiences. This mode of perception can be linked to the concept of "soft fascination," coined by Rachel and Stephen Kaplan. It refers to a type of attention drawn to certain natural phenomena without fully consuming the viewer's focus. Water offers a particularly apt subject for this exploration: its continuous yet elusive movement captivates the gaze, encourages lingering, and opens a state suspended between concentration and mental drifting.

Text: Mirjam Elburn
Images: Mirjam Elburn

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