2011_ostrale 011

ostrale 011, Ostragehege/Dresden vom 01. Juli bis 04. Sep. 2011
A pilgrims song: Nur auf der Erde wird von freiem Willen geredet, 2011

Der Boden ist mit Haaren bedeckt, so dass der Betrachter, der den Raum betritt dies nur kann, indem er das Haar betritt. Das Schauen weicht einer mehr körperlich-haptischen Erfahrung: Hinterlässt abhängig von eigenen Erfahrungen, Prägungen und Wissen verschiedenste Gefühle.
Ein mit Haar durchflitztes Kleid an der Wand (Pfau, 2010, Baumwollkleid und Menschenhaar gefilzt, ca.130 x 123 cm) erinnert u. a. an den Menschen in naher Verwandtschaft zum Tier, denn im Haar sind wir dem Tier am nächsten. Der aufgestickte Pfau, Sinnbild für Eitelkeit und Putz, das filigrane Gewebe und die Aufhängung, vereinen verschiedene Zeiten und unterschiedliche Assoziationen, lösen konträre Empfindungen beim Betrachter aus. den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, 2011, besteht aus dem Buch Schlachthof fünf von Kurt Vonnegut durchfilzt mit menschlichem Haar; es trägt in sich die Geschichte Billy Pilgrims, autobiografische Aspekte des Autors zur Zeit der Bombardierung Dresdens, aber eröffnet auch die Frage nach der wahren Geschichte. Die Geschichte – sowohl die Erzählung als auch die deutsche Vergangenheit – werden hier faktisch und ideell/fiktiv/abstrakt – zum Material der künstlerischen Arbeit. Inwieweit bestimmt/verstärkt der Ort dieses Bewusstsein? Fragen nach Geschichtsbewusstsein, (unaufgearbeitetem) Umgang, Verantwortung, etc. bekommen Präsenz.
Die Rauminstallation auf dem ehemaligen Schlachthofgelände in Dresden verführte den Betrachter zur Partizipation – ohne Anleitung, welches Verhalten verlangt war. Vielmehr machte das Bedürfnis die Objekte an der Wand oder in der Vitrine betrachten zu wollen, ein Begehen des Haarteppichs notwendig. Das Umgehen war ausgeschlossen, da der gesamte Boden mit Haar bedeckt war. Es war nur möglich auf die Betrachtung der restlichen Objekte zu verzichten.
Wie betritt er/sie den Raum? Welche Erwartungshaltung besteht? Wird diese erfüllt und wenn nicht, was dann? Die Werke lösen direkte körperliche Reaktionen aus, sprechen mehr als nur den visuellen Sinn an, vorherrschend ist das haptische Interesse. Es kommt zu unkontrollierten, unkontrollierbaren Reaktionen.

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